Institut für Europäische Musikethnologie
In memoriam Wilhelm Schepping (17.12.1931 - 01.04.2026)
Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und alle ehemaligen Angehörigen des Instituts trauern um Prof. Dr. Wilhelm Schepping. Er war seit 1968 am Institut tätig und leitete es als Direktor von 1992 bis 1999. Auch nach seiner Emeritierung als Inhaber des Lehrstuhls für Musik und ihre Didaktik an der Universität zu Köln blieb er dem Institut eng verbunden und stand ihm mit seiner Expertise, sei es bei der Herausgeberschaft von Institutsveröffentlichungen oder bei Forschungsanliegen, zur Verfügung.
Viel wäre über seine vielseitige Persönlichkeit als Pädagoge und Künstler zu sagen, etwa dass er als geschäftsführender Direktor des Seminars für Musik und ihre Didaktik dieses in den Jahren 1987/88 durch seine Hartnäckigkeit und eindringlichen Argumenten vor der vom Kultusministerium beabsichtigten Schließung bewahrte, oder dass er, in seiner künstlerischen Laufbahn, 1957 das renommierte und preisgekrönte Neusser Kammerorchester gründete und dreißig Jahre lang leitete, um nur jeweils ein Beispiel zu nennen. Aus der Sicht des Instituts soll hier vor allem auf den Wissenschaftler Wilhelm Schepping eingegangen werden, da seine Forschungen das Institut bis heute geprägt haben.
Während seiner Referendarzeit begegnete er dem damaligen Musikfachleiter des Ausbildungsseminars, Dr. Ernst Klusen, und hielt Verbindung zu ihm. Klusen holte Schepping 1968, der zu der Zeit bereits zehn Jahre, zuletzt als Oberstudienrat, am Staatlichen Quirinus-Gymnasium Neuss die Fächer Musik und Deutsch unterrichtete, an das 1964 gegründete Institut für Musikalische Volkskunde (das spätere Institut für Europäische Musikethnologie).
Eine lange Zeit der fruchtbaren Zusammenarbeit begann, in der Schepping Klusens Paradigmenwechsel von der Objektbezogenheit auf das Lied hin zu Singaktivitäten und Singpräferenzen weiterverfolgte und ausbaute. Insbesondere zwei zentrale umfangreiche Forschungsfelder sind hier zu nennen. Zum einen untersuchte er die Rolle des oppositionellen Singens und Liedes in der NS-Epoche, insbesondere bei der Bündischen Jugend, wobei er als Mitglied, Gruppen- und Singleiter in dem christlichen Jugendbundes „Neudeutschland“, dessen Aktivitäten in der NS-Zeit schließlich verboten wurden, auf eigene Erfahrungen zurückgreifen konnte. Die Ergebnisse dieser Forschung dokumentierte er in zahlreichen Publikationen und in dem „Lexikon des Liedes im NS-Widerstand“ online. Das zweite bedeutende Forschungsfeld zeigt ebenfalls Berührungspunkte zu Scheppings Biographie: das geistliche Lied. Hier reichten seine Untersuchungen vom apokryphen geistlichen Lied des 19. Jahrhunderts bis hin zum Neuen geistlichen Lied unserer Zeit. Als jahrelanges Mitglied der Werkgemeinschaft Musik und berufen in die Sektion 'Kirchenmusik' der Kommission für Liturgie und Kirchenmusik des Erzbistums Kölns, sorgte er auch auf diese Weise (neben seinen pädagogischen Tätigkeiten) für den Transfer seiner Forschungen in die Gesellschaft. Überdies nahm er bereits in den siebziger Jahren unter anderem das Singen und Musizieren der damaligen sogenannten „Gastarbeiter“ und das Singen von Fußball- und Eishockeyfans in den Blick, Themen, die erst viel später in der musikethnologischen Forschungswelt größere Beachtung fanden. Dem Institut liegen rund 100 Publikationen von Wilhelm Schepping vor. Für eine akademische Vernetzung sorgte Wilhelm Schepping u.a. durch seine Tätigkeit als Vorsitzender der Kommission für Lied-, Musik- und Tanzforschung in der Deutschen Gesellschaft für Volkskunde (1982-1988) und vorheriger langjähriger Geschäftsführer des gleichen Gremiums.
Ausführliche Würdigungen sowie weitere Informationen zu Wilhelm Scheppings Wirken finden sich in den Archiv-Ausgaben der Institutsnachrichten ad marginem (Nr. 64 und Nr. 70) sowie in den Publikationsverzeichnissen und Festschriften des Instituts.
Das „Lexikon des Liedes im NS-Widerstand“
Ein Film des Kulturamtes der Stadt Neuss mit einem Portrait über Wilhelm Schepping und seiner kulturellen Tätigkeiten: https://www.youtube.com/watch?v=bAt0RDlplxI
(Astrid Reimers)