Institut für Europäische Musikethnologie

Folgendes von der DFG gefördertes Projekt wird 2016 durch das Institut für Europäische Musikethnologie, vertreten durch Klaus Näumann, und dem Institute of Caribbean Studies & The Reggae Studies Unit, University of the West Indies, Jamaica, vertreten durch Donna P. Hope, durchgeführt:

Zwei Fallstudien: Mento und Reggae
Der entwicklungsspezifische Kontrast zwischen 1. der heute nahezu unbekannten Mento-Musik und 2. der seit den 1970ern (u.a.) in Deutschland verbreiteten Reggae-Musik. 

Ziel ist es, den entwicklungsspezifischen Kontrast zu erforschen zwischen den beiden folgenden Musikstilen: 1. Die Mento-Musik, die als erste populäre Musikform Jamaikas und als eine der Wurzeln des jamaikanischen Reggaes gilt,  heute aber nahezu in der Bedeutungslosigkeit versunken ist, da sie lediglich noch in einigen ländlichen Regionen der Insel und insbesondere im Kontext des Tourismus (in Hotels und Strandbars) praktiziert wird. 2. Die Reggae-Musik, die seit ihrer Entstehung (Ende der 1960er) weltweit bekannt und populär wurde und u.a. in Deutschland zahlreiche Nachahmungen fand, deren Idiom jedoch auf die jeweiligen Lebenswelten angepasst wurden. Das Besondere dieses anvisierten Projektes ist die Zweigliedrigkeit von einerseits der Thematik und andererseits der Kooperation von aus zwei unterschiedlichen kulturellen Kontexten stammenden Forschern (Jamaika und Deutschland).
Im Blickpunkt stehen hierbei grundsätzlich die folgenden Fragen: 1. Warum ist die Entwicklung beider Musikrichtungen gänzlich unterschiedlich verlaufen? Liegen die Gründe in den musikalischen Parametern selbst, in der Aufführungspraxis oder etwa in spezifischen außermusikalischen Konstellationen (z.B. im Flair des Rastafari-Kults in Konnotation zur Reggae-Musik oder im Hauch des „authentisch Urwüchsigen“ bei der Mento-Musik)? 2. Wie werden die beiden Stile (Musik, Texte, Aufführungspraxis) an die heutigen, genuin „wesensfremden“ Konstellationen angepasst, nämlich a) die Mento-Musik im Kontext des jamaikanischen Tourismus und b) die Reggae-Musik explizit in Deutschland. Beantwortet werden sollen diese Fragen (neben der Einbeziehung vorhandener Literatur) primär durch musikethnologische Feldforschungen und anhand der Methodiken der Beobachtung und qualitativen leitfadengestützten Interviews mit Musikern bzw. Bands. Von den daraus resultierenden Ergebnissen erhoffen wir uns generelle Einblicke über Genese, Entwicklung und eventuellen Untergang bzw. weltweites Reüssieren von musikalischen Idiomen in Abhängigkeit von den gesellschaftsspezifischen Konstellationen.