Erlebte Aggression in Kinderkrankenhäusern

Verantwortlich

Dr. Antje Dresen antje.dresen[uk]uk-koeln.de

Weiter verantwortlich

Prof. Dr. Holger Pfaff x

Zeitraum

01.09.2017-28.02.2019

Förderung

Beschreibung

In Nordrhein-Westfalen war bereits jeder achte Retter Opfer von Gewalt, mehr als jeder zweite berichtet von Beschimpfungen und Beleidigungen im Dienst. Insbesondere in den Abend- und Nachtstunden sowie unter Einfluss von Alkohol und Drogen steigt die Wahrscheinlichkeit für derartige Vorfälle, welche die Arbeit von Notärzten, Polizisten, Hilfskräften bei der Feuerwehr, beim Katastrophenschutz und im Rettungsdienst erschweren (dpa/may/aertzeblatt.de). Die Bundesregierung hat so kürzlich härtere Strafen für Angriffe auf diesen Personenkreis beschlossen. Niedergelassene Ärzte und Krankenhausärzte sind in das Gesetz nicht mit eingeschlossen. Dabei finden sich auch in dieser Berufsgruppe Hinweise auf erlebte Aggressionen und Gewalthandlungen. Zwar ist dieses Thema im öffentlichen Diskurs kaum präsent. Doch gerade die täglichen Erfahrungen von Ärztinnen und Ärzten in den Kliniken zeugen von Situationen hoch emotionaler, teils aggressiver Kommunikation. Im Besonderen in den Kinderkliniken wird von „schwierigen Interaktionen“ mit Eltern oder Angehörigen zu behandelnder Kindern berichtet. Erforscht ist dieses Themenfeld kaum. Lediglich zwei Studien von Mackin et al. (2001) und Korsch et al. (2003) haben sich mit aggressivem Verhalten von Eltern und Angehörigen gegenüber Krankenhausärzten in der Kinderheilkunde beschäftigt. Mehr als die Hälfte in der etwa von Korsch et al. (2003) durchgeführten Studie berichten über Situationen - im Median einmal pro Jahr - in der sich Ärztinnen und Ärzte als Ziel einer aggressiven Handlung von Eltern oder Angehörigen sahen. Vor diesem Hintergrund wurde nun erneut eine Befragung von Krankenhausärzten in der Kinderheilkunde durchgeführt, um die Facetten und Folgen von Aggression und Gewalt in diesem Setting, auch im zeitlichen Verlauf, offenzulegen. Ob, wann und in welcher Form sind die angesprochenen Ärztinnen und Ärzte jemals Ziel einer aggressiven Handlung durch Eltern oder Angehörige geworden? Dazu ist erfragt worden, ob dies für die Ärzte eine persönliche Belastung oder eine Beeinflussung der kinderärztlichen Tätigkeit zur Folge hatte und wie sich die Betroffenen sich nach einem solchen Fall verhalten haben. Ende 2017 wurden so Fragebögen an die Assistentensprecher aller pädiatrischen Abteilungen und Kinderkliniken in Deutschland versandt. Dabei sind die Formen der aggressiven Handlung wie Druckausübung, Beschimpfung, Androhung von körperlicher Gewalt, Versuch der Anwendung von Gewalt und ausgeübte Gewalt sowie die Erfahrungen mit diesen Situationen abgefragt worden. Zugleich konnten die Befragten etwa die Inhalte der Beschimpfung, Art der Bedrohung etc. über offene Fragen spezifizieren. Ein erster Eindruck der Angaben zeugt davon, dass sich die Erfahrungen mit aggressiven Situationen im pädiatrischen Bereich im Vergleich zu den zitierten Studien aus den Vorjahren verstärkt haben. Im Rahmen dieser Studie werden nun abermals die Häufigkeiten und Inhalte der aggressiven Vorfälle veranschaulicht und das ärztliche Verhalten reflektiert. Dies reicht von beruhigendem bzw. deeskalierendem Einwirken auf die Situation bis zur inhaltlichen Klärung. Auch aggressive Gegenreaktionen, das Hinzuziehen der Kollegen oder der Polizei, das Ignorieren der Angehörigen und das Verlassen des Handlungsorts werden thematisiert. Zugleich wird herausgestellt, dass Aggression und Gewalt eine überaus relevante Problematik im Rahmen der kinderärztlichen Tätigkeit ist.

Description

In the German federal state of North Rhine-Westphalia, one in eight rescuers has been a victim of violence, and more than one in two has reported experiencing abuse or insults while in service. The probability of such incidents increases in the evening and night hours and under the influence of alcohol and drugs, making the work of emergency doctors, police officers, firefighters, disaster control and rescue services more difficult (dpa/may/aertzeblatt.de). The German government has recently decided to impose harsher penalties for attacks on this group of people. However, general practitioners and hospital doctors are not included under the protection of this law. There have also been indications of acts of aggressions and violence experienced within this group, although this topic is rarely acknowledged in public discourse. However, the daily experiences of doctors in clinics testify to situations of highly emotional and sometimes aggressive communication. In the pediatric clinics in particular, "difficult interactions" with parents or relatives of children to be treated have been reported. This subject area, however, has rarely been researched. Only two studies by Mackin et al. (2001) and Korsch et al. (2003) have dealt with aggressive behavior of parents and relatives towards hospital doctors in pediatrics. More than half of the pediatricians of one study, conducted by Korsch et al (2003), reported situations - median once a year - in which doctors saw themselves as the target of an aggressive action by parents or relatives. Against this background, another survey of pediatric hospital physicians was conducted to reveal the facets and consequences of aggression and violence in this setting, as well as over time. Have the addressed doctors ever experienced an aggressive action by parents or relatives, and if so, when and in what form? In addition, this study explored whether acts of aggression resulted in a personal burden or whether they influenced the pediatric work of the physicians, as well as how the affected persons behaved after such a case. At the end of 2017, questionnaires were sent to the assistant spokespersons of all pediatric departments and pediatric clinics in Germany. The questionnaires asked whether pediatricians experienced forms of aggressive action such as exerting pressure, insulting, threatening physical violence, attempts to use violence or violent acts. The respondents were also able to specify the nature and content of the insult, type of threat, etc. through open-ended questions. A first impression of the data shows that experience with aggressive situations in the pediatric field has increased compared to studies cited in previous years. This study further explores the frequency and nature of the aggressive incidents and the medical behavior of the physicians. This ranges from calming or de-escalating a given situation to substantive clarification. Further topics that are discussed include aggressive counter-reactions, the involvement of colleagues or the police, the ignoring of family members, and ultimately leaving the place of work. The findings of this study demonstrate the relevance of the problems of aggression and violence in the context of pediatric work.